Freitag, 30. August 2013

Neuer Zyklus zur Regulierung illegaler Bauten ab 2. September 2013



Ab dem kommenden Montag, 2. September 2013, beginnt das Verfahren zur Aufnahme in die neue Regelung bezüglich Regulierung illegaler Bauten. 


Alle Eigentümer, die das Gesuch zur Regulierung unter dem bisherigen Recht (4014/2011) gestellt hatten, müssen das Gesuch neu stellen, um unter die neue Bestimmungen (4178/2013) zu fallen. 


Das neue Gesuch ist deshalb notwendig, da das Gesetz 4178 Bestimmungen enthält, die im bisherigen Recht nicht vorhanden waren, wie die Einführung von Kategorien analog zum Verstoss und die günstigeren Regelungen für die schwächsten Gesellschaftsgruppen. 


Beispiel: Vor 1975 errichtete Wohnliegenschaften können mit der Bezahlung einer Gebühr in Höhe von 500.00€ endgültig reguliert werden (nach bisherigem Recht hätten die Eigentümer 15% der Sonderbusse bezahlen müssen). In der Regulierungsphase (Gebühr bereits bezahlt) nach bisherigem Recht befinden sich rund 390‘000 Akten, während sich in der Bearbeitungsphase (Gebühr noch nicht bezahlt) rund 170‘000 Akten befinden. Im zweiten Fall haben die Eigentümer das Gesuch nun erneut zu stellen. 


Jene Eigentümer die unter die neue Regelung fallen, können die Bussen mit bis zu 102 Ratenzahlungen begleichen. Im Falle der einmaligen Bezahlung des gesamten Betrages bis zum letzten Tag des ersten Halbjahres seit der Veröffentlichung der neuen Bestimmungen, wird ein Rabatt von 20% gewährt. Unter den gleichen Voraussetzungen, jedoch mit der Bezahlung von 30% der Gesamtbusse, wird ein Rabatt von 10% gewährt. 


Weiter wird angemerkt, dass alle Eigentümer illegaler Bauten, die zur energetischen Aufwertung oder Verstärkung der Statik ihrer Liegenschaft schreiten, gemäss den neuen Bestimmungen, die seit 1. August 2013 in Kraft sind, diese Aufwendungen mit 50% der Busse verrechnen können. Diese Regelung gilt für bis 2003 errichtete illegale Bauten.




Quelle: in.gr

Relevante Artikel: 

Reisst die illegalen Bauten ausserhalb der Bauzonen ab!

Klarstellung des Entscheids des Obersten Verwaltungsgerichtshofs (StE) durch den Umweltminister bezüglich illegaler Bauten

Oberster Verwaltungsgerichtshof: Verfassungswidrig die Regulierung der ohne Baubewilligung erstellten Gebäude und Einfrieren des Abrisses

Gebäude ohne Baubwilligung - Regulierung, Abriss oder Erledigung

Regulierung der ohne Baubewilligung erstellten Gebäude

Mittwoch, 28. August 2013

Datendiebstahl von mehr als der Hälfte der griechischen Bürger



Daten von mindestens der Hälfte der griechischen Steuerzahler ist in die Hände gerissener Unternehmer gefallen. Es handelt sich um den grössten Diebstahl steuerlicher und persönlicher Daten, der jemals in Griechenland verzeichnet wurde, wie aus den monatelangen Ermittlungen der Datenschutzbehörde, der griechischen Polizei (ELAS) aber auch der Zentrale für Informationssysteme (GGPS) hervorgeht. 

Die „Entwendung“ erfolgte in der GGPS, die dem Finanzministerium untersteht. Dabei handelt es sich um die primäre Datenbank des Landes, in welcher die Steuererklärungen und viele andere Daten aller griechischen Steuerpflichtigen gespeichert sind. 

Hinweise bestanden bereits schon seit 2010

Beeindruckend ist, dass obwohl die ersten Hinweise von Massenentwendungen steuerlicher Daten bereits schon seit 2010 vorlagen, die Ermittlungen der zuständigen Behörden erst nach zwei Jahren – seit Ende 2012 und Anfang 2013– angefangen haben, Früchte zu tragen. Bis heute sind diese jedoch noch nicht abgeschlossen, so dass auch die Schuldigen noch nicht bestraft werden konnten. 

Es ist typisch, dass die Datenschutzbehörde gesamte drei Jahre gebraucht hat, um die Ermittlungen abzuschliessen und ihre Schlussfolgerungen zu ziehen und es wird geschätzt, dass es weitere zwei Monate dauern wird, um die Anklagen gegen „Handel mit Personendaten betreibende Unternehmen“ zu belegen und ihre Namen zu veröffentlichen. All dies hatte zum Ergebnis, dass diese Kreise sogar bis vergangenen September ihre Aktivitäten fortsetzten und Daten vom GGPS entwenden konnten. 

Geldstrafe gegen GGPS 

Die Enthüllung dieser enormen Datenentwendung brachte kürzlich die Datenschutzbehörde (APPD) ans Tageslicht, die nun der GGPS die von Gesetzes wegen höchste vorgesehene Geldstrafe von 150‘000€ auferlegt hat. 

Aus den Ermittlungen der APPD und der ELAS ist ersichtlich, dass mindestens fünf Unternehmen, die „im Bereich des Handels von Personendaten mit persönlichem Charakter tätig sind“, die Empfänger dieses offensichtlich enormen Datenumfangs waren. 

Die ermittelten persönlichen (steuerlichen) Daten betreffen mindestens die Jahre von 2000 bis 2012. Zusammenfassend beinhalten diese: 


a)        Daten des Formulars E1 betr. die Finanzjahre von 2003 bis 2009 und teilweise 2012
b)        Daten des Formulars E2 betr. das Finanzjahr 2006
c)         Daten des Formulars E9
d)        Daten betr. der einheitlichen Immobiliensteuer (ETAK)
e)        Daten betr. der Sonderabgabe nach N. 3986/2011 betr. das Finanzjahr 2011
f)         Daten des Zentralregisters der Steuerzahler
g)        Daten der Bescheide des Jahres 2010 betr. Selbstveranlagung
h)        Daten der Fahrzeugabgaben für die Jahre 2006 bis 2012


Welche Massnahmen werden von der Datenschutzbehörde verlangt

Mit Beschluss der Datenschutzbehörde wird die GGPS grundsätzlich aufgefordert, die zugelassene Sicherheitspolitik vollständig anzuwenden, d.h. auf allen unter ihrer Verantwortung stehenden Informationssystemen. Nach einer umfassenden Risiko- und Sicherheitsanalyse müssen auch die bestehenden Sicherheitsrichtlinien, Umsetzung und Anwendung neu überarbeitet und teilweise die Sicherheitspläne neu bewertet werden.
Im Rahmen oben genannter Aktionen ist, gemäss der Datenschutzbehörde, auch folgendes vorzukehren: 


a)        Die schrittweise Ermittlung eventueller Download-Zertifizierung bezüglich 
            Sicherheitsverfahrens.
b)        Die Kontrolle durch unabhängige Organisationen in regelmässigen Abständen - 
            mindestens jährlich -, der Systemsicherheit und –verfahren, einschliesslich der 
            Bewertung der umgesetzten Sicherheitsmassnahmen. Die Ergebnisse sind der 
            Datenschutzbehörde mitzuteilen.
c)         Die periodische Kontrolle durch die GGPS - mindestens jährlich – der den Prozess 
            Ausführenden bezüglich der Ergreifung geeigneter Sicherheitsmassnahmen. 


Die GGPS hat innerhalb zwei Monaten einen entsprechenden Zeitplan zu erstellen, mit welchem die Verfahren der Organisation, Überwachung und Aktualisierung oben Genanntem festgelegt wird und die Zeitrahmen ihrer Ausführung. Ebenfalls hat die GGPS die Datenschutzbehörde alle drei Monate über die Ausführung Bericht zu erstatten. 

Zur Vermeidung, Ermittlung und Aufdeckung von Vorfällen bezüglich Verletzung des persönlichen Datenschutzes sollten folgende Massnahmen vorgesehen und umgesetzt werden, betont die Datenschutzbehörde in ihrem Beschluss: 


a)        Kontrollierte Verfahren zum Datenaustausch, mittels einer geeigneten 
           Bevollmächtigung, von der Endstelle, die zur Verarbeitung personenbezogener Daten 
           genutzt wird oder/und die Verwendung oder Ausschluss von Wechselmedien und die  
           Internetverbindung von bestimmten Endstellen.
b)       Massnahmen zum Schutz der Dateien, die Kontrolle des Fernzugriffs und die Aktivierung
           systematischer Verfahren zur Nutzung von Passwörtern auf jedem System.
c)        Überprüfung des Datenverarbeitungsprozesses (SELECT) in Datenbanktabellen oder 
           Systemen, die persönliche Daten verarbeiten und Ergreifung von Massnahmen zur 
           automatisierten, präventiven Kontrolle der Datenarchive.




siehe hierzu relevante Artikel unter "Datenschutz" 

Dienstag, 13. August 2013

Neue Einheitssteuer auf Liegenschaften mit 33 Steuersätzen



Die Steuersätze beginnen von 2€ bis 23.10€ pro m2 entsprechend des Zonenpreises der die Liegenschaft gelegenen Gegend. 


Höhere Steuern ab 2014 werden die Eigentümer mit Liegenschaften bezahlen, die in Gegenden mit einem Zonenpreis von mehr als 2‘000€/m2 liegen. Im Gegensatz dazu, bezahlen die übrigen Eigentümer etwas weniger im Vergleich zu den derzeitigen Regelungen. 


Die von „K“ präsentierte Steuerskalen pro Preiszone und Alter sind die letzten von den technischen Ebenen der Troika genehmigten. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese im September nach oben korrigiert werden, sollten sich Lücken im Haushaltsplan ergeben.


Keine Steuerbefreiung mehr für Parzellen
Gemäss Entwurf des Finanzministeriums wird sich die Steuerskala für Gebäude mit 33 Steuersätzen zusammensetzen (siehe Skala), beginnend von 2€/m2 für Liegenschaften in Gegenden mit einem Zonenpreis bis zu 500€/m2 und erreichen bis zu 23.10€/m2 in Gegenden mit Zonenpreisen über 8‘500€. Die endgültige Steuer ergibt sich aus der Multiplikation der Steuersätze (gültig pro Zone), der Fläche der Liegenschaften und des Alters. In jedem Fall werden die Eigentümer im Jahre 2014 4,15 Mrd. Euro für ihre Liegenschaften bezahlen. Selbst Eigentümer mit Liegenschaften in Gegenden mit niedrigerem Zonenpreis (unter 2‘000€) haben mehr Steuern abzugeben, sofern sie im Besitze einer Parzelle sind. Dies deshalb, weil bis heute die Parzellen steuerbefreit waren. Nunmehr wird mit der neuen Einheitssteuer das gesamte unbewegliche Vermögen besteuert. 


Beispiel:


1.       Eigentümer einer Wohnung von 100m2, Alter 5 Jahre, Zonenpreis 3‘500€/m2:
          Steuer ab 2014: 1‘332€ / Heute: 1‘224€
2.       Eigentümer einer Liegenschaft 70m2, Alter 10 Jahre, Zonenpreis 2‘000€/m2:
          Steuer ab 2014: 402.50€ / Mit der heute geltenden Regelung liegt die Steuer 8€ höher   
          und erreicht 410.50€.
3.       Eigentümer einer Liegenschaft von 250m2, Alter 10 Jahre, Zonenpreis 8‘500€/m2:
          Steuer ab 2014: 6‘641.25€ / Heute: 3‘910€
4.       Eigentümer einer Liegenschaft von 150m2, Alter 14 Jahre, Zonenpreis 5‘000€:

          Steuer ab 2014: 2‘537.75€ / Heute: 2‘052.75€


Steuerbefreiung für bestimmte Bevölkerungsgruppen
Es wird angemerkt, dass dieses Jahr die ausserordentliche Liegenschaftenabgabe(Xaratsi) nur von den Eigentümern mit elektrifizierten Liegenschaften bezahlt wird. Ab 2014 werden alle Liegenschaften - unabhängig ob elektrifiziert oder nicht – besteuert. Die neue Einheitssteuer sieht keine Steuerbefreiungen vor, jedoch werden langjährige Arbeitslose und Arbeitslose und alle mit einem Einkommen, das die Armutsgrenze nicht übersteigt, von der Steuer ausgenommen. 


Basierend auf diesem Szenario rechnet das Finanzministerium mit Steuerbestätigungen in der Höhe von 4,15 Mrd. Euro, wobei die Nettoeinnahmen bei 2,9 Mrd. Euro liegt. Es wird darauf hingewiesen, dass die neue Einheitssteuer die ausserordentliche Liegenschaftenabgabe, die mittels der DEH-Rechnung bezahlt wurde, und die Steuer für das unbewegliche Vermögen (FAP) ersetzt. 

 Quelle: kathimerini.gr

(Quelle: kathimerini.gr)

Montag, 12. August 2013

Stelios Ramfos – Griechischer Philosoph des 21. Jahrhunderts



(Interview) 
 
Herr Ramfos, kommen wir zu einer generellen abgedroschenen Frage, jedoch interessiert ihre Meinung sicherlich unsere Leser. Ist die Krise, die wir in Griechenland erleben, aber auch in Europa, nur wirtschaftlicher Natur? Hat sie moralische und geistige Auswirkungen und welche, können wir sagen, sind diese?

Die Oberfläche ist wirtschaftlicher, finanzieller und - sagen wir einmal - politischer Natur, seine Tiefe jedoch ist geistig, kulturell, und unter dieser Definition vergessen wir jedes Mal, wenn wir uns mit der Oberfläche beschäftigen, dass es unter der Oberfläche eine Tiefe gibt, die entscheidend ist, weil die Tiefe die Mentalitäten bestimmt. Sehen Sie, die Steuerhinterziehung wird grundsätzlich nicht vom wirtschaftlichen Problem bestimmt, aber von der Mentalität, welche die Steuerhinterziehung erschafft. Wenn wir Lösungen finden wollen, müssen wir selbstverständlich auf den wirtschaftlichen Themen beharren, aber wir müssen auch die geistigen sehr ernst nehmen, da wir sonst keinen Ausweg finden werden. 

Glauben Sie, dass Europa, die westliche Welt, eine Phase des Verfalls durchläuft? Leben wir eine Zeit des „Gott ist tot“ von Nietzsche, „Das wüste Land“ von Eliot, den Umschreibungen Dostojewskis? Ist es nicht an der Zeit, dass wir eine solche Welt umarmen, aber Abstand von diesem Verfall halten und versuchen, auch wenn es schwierig ist, unseren eigenen Weg zu finden?
 
Ich glaube nicht, dass es einen Verfall in der westlichen Welt gibt. Es gibt eventuell untergehende Erscheinungen, aber ich glaube nicht, dass es ein Verfall ist, da die ganze Ökumene, China, Indien und viele andere Länder versuchen, das westliche Vorbild zu imitieren, soweit als möglich mit diesem zu harmonieren. Das Thema ist, dass wir eine Übergangszeit durchlaufen, die uns in ein neues Zeitalter bringt. Die Krise ist ein Produkt relativer Bewusstlosigkeit und gleichzeitig grosser Verlegenheit, was die präsentierten Symptome angeht. Sagen wir, ich glaube, dass diese Krise auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass wir in beispiellosen Geschwindigkeiten der Bewegung von Kapital, Menschen und Dingen leben. Diese beispiellosen Geschwindigkeiten, die 1989 - können wir sagen -begonnen haben und die Welt seither die Möglichkeit hatte, in ihrem Rhythmus zu kommunizieren, vervielfachten das Kapital und das Vermögen der Menschen - die Bewegung des Kapitals - ist von 35 Billionen auf 350 Billionen gestiegen… 

Könnten wir sagen, dass wir vom nationalen Kapitalismus zum supranationalen Kapitalismus übergegangen sind?

Genau. Wir sind in ein post-nationales System übergangen, jedoch all diese Werkzeuge, die der letzten Epoche angehörten, beibehaltend. Es war ganz natürlich, dass die veralteten Volkswirtschaften nicht die richtige Absorptionsfähigkeit des Kapitalvolumens aufwiesen. So entstanden die Finanzblasen und die Finanzblasen lösten die Krise aus. Also ist das Phänomen, das wir durchleben ein Übergangsphänomen, ohne dass dies bedeutet, dass die Katastrophen ausgeschlossen sind, dass es nicht auszuschliessen ist, dass Europa eine intensive Krise durchlaufen wird. Aber ich glaube nicht, dass es den Verfall bedeutet. Es ist ein Sprung in das halb-Unbekannte, halb-Bekannte. 

Das, was allgemein gesagt wird, dass die sogenannten Märkte die Gesellschaften, die Politiker kontrollieren und die Gesellschaft unterdrücken? Dass wir im Wesentlichen weit davon entfernt sind, dass die Bürger über ihr Schicksal bestimmen, zur Bildung ihrer Gesellschaft? Aufgrund Ihres Ansatzes, ist das nur eine Seite der Wahrheit?

Das ist nur die eine Seite der Wahrheit, da in diesem Zeitpunkt die Märkte in Wahrheit Zähler der Zeit sind in einer Art, die nicht sicher ist. Also ändern wir entweder die Verständniskriterien des Phänomens oder wir werden uns in einer Sackgasse wiederfinden. Und zu diesem Zeitpunkt sind die Märkte die genauesten Zähler der Situationen, aber auf einer oberflächlichen finanziellen Ebene, da sie nicht tiefer „lesen“ können. 

Industrieller Kapitalismus, protestantische Moral, Vatikanstaat, Banker, Finanzsystem, Imperialismus, Arbeitsmoral, Disziplin, nationale Konsumenten, Überschuldete, erpressbare und leicht ersetzbare Arbeiter. Lohnt es sich, als Griechen auf all das eifersüchtig zu sein? Von all dem, was die westliche Kultur ausmacht, was müssen wir als Griechen behalten, wie sollen wir unser Griechentum in dieser westlichen Kultur anpassen? Ist diese Anpassung letztendlich vielleicht gescheitert, da wir die Harmonisierung mit der westlichen Kultur nicht geschafft haben?

Dass wir die Harmonisierung mit der westlichen Kultur nicht geschafft haben, bedeutet nicht, dass diese gescheitert ist. Historisch gibt es keine andere Möglichkeit, auch die entlegensten Länder der Welt imiteren die westliche Kultur, weil in diesem System, das die Zeit mit der Kommunikation verbindet, sich keinem anderen Vorschlag widersetzt, der überzeugender sein könnte. Ich glaube, wir müssen beginnen, ohne vorauszusetzen, dass eine Zivilisation, eine Kultur, in diesem Falle die Westliche, keine Nachteile hat – es gibt keine Form menschlichen Daseins, die perfekt ist. Nur, dass die Vorteile dieser Zivilisation grösser als alle anderer Zivilisationen sind, durch die Teilnahme an öffentlichen Angelegenheiten, eine Erhöhung und Verteilung des Reichtums, die wir niemals kannten, ein bisher unbekanter Wohlfahrtsstaat, eine alle Schichten betreffende Erziehung und so, unter dieser Ansicht, ist das Zentrum entstanden, das die übrigen Völker nach vorn blicken lässt und das sie imitieren wollen. Hier mischt sich jedoch die Weisheit der übrigen Völker ein, wenn ihnen z.B. ihre Besonderheiten in dieser Annäherung bewusst werden. Wenn sie es nicht schaffen, entstehen grosse Probleme. Nehmen wir die griechische Kultur als Beispiel, in welcher das übermässig entwickelte Gefühl vorhanden ist, aber es besteht keine entwickelte Kritikeigenschaft, so können die Institutionen nicht funktionieren, da es eine Schaffung der europäischen Zivilisation ist, die den kritikfähigen Menschen voraussetzt, den Mensch der Logik und nicht nur des Gefühls. So wird es grosse Zeiträume dazwischen geben, in welchen diese Themen angegangen werden müssen. Ich hoffe, dass die Gesellschaften mit den uns heute zur Verfügung stehenden Tatsachen der Kommunikation, nicht in hierarchische und absolute Formen zurückfallen, die wir in der Vergangenheit kannten, ohne dass dies bedeutet, dass harte soziale Umstände, wilde Kriege, usw. ausgeschlossen werden. 

Müssen wir um unsere nationale Identität fürchten?

Wenn jemand um seine nationale Identität fürchtet, bedeutet dies, dass er das Spiel verloren hat, weil eine nationale Identität nicht bedeutet, geschlossen zu bleiben, sondern stetig dynamischer hineinzupassen. Das Problem einiger Völker, wie wir es sind, die Balkanvölker, ist das eigene Unverständnis, dies nur unter sehr geschlossenen Bedingungen. Das verursachte grosse Starrheiten und Ängste der Grenzen, solche, die die Völker in enge Rahmen einschliessen, ohne nützliche Resultate. 

Sie nahmen oft Bezug auf die leidenschaftliche Art, mit welcher die orthodoxen Christen, d.h. auch die Griechen, die Zeit wahrnehmen. In einem der letzten Interviews des Byzantinisten Runciman las ich seine Gewissheit über die moralische und geistige Überlegenheit der sogenannten byzantinischen Welt im Vergleich mit dem westlichen Mittelalter und seine Vorhersage, dass die Orthodoxie die überwiegene Religion sein wird, dank ihres mysteriösen Charakters und dem Fehlen der absoluten Logokratie in der Wahrnehmung und Interpretation der Welt. Was würden Sie Runciman sagen?

Dieser Ansatz gefiehl Runciman immer schon, aber ich gehe nicht einig mit ihm. Ich achte ihn als Historiker, jedoch würde ich sagen, dass er einen Fehler macht. Die Überlegenheit des Byzanz bis zum 10. Jahrhundert im Vergleich zum Westen ist unbestritten, aber nach dem 10. Jahrhundert und v.a. nach dem 12. Jahrhundert hat sich dies geändert, weil im Westen Entscheidungen getroffen wurden, welchen Byzanz nicht folgen konnte und darum unterging. Wenn wir über diese Epoche reden, die sich selbst und alles was folgte erbte, sehen wir, dass sie nicht das Beste erbte, und wir sprechen nicht nur von Griechenland, wir sprechen auch über den orthodoxen Balkan, aber auch über das orthodoxe Russland. Es schaffte Länder mit Autoritarismus, mit schrecklichem Totalitarismus und verursachte eine Sackgasse der Zeit, in dem Sinne, dass die betriebliche Zeit eine stetig drehende Zeit ist. Demzufolge gibt es in der östlichen Zeit keinen Ausweg für die Zeit der Kreativität, für die Bewegung nach Vorn. Das ist ein sehr ernstes Thema, die griechische Zeit, über welche ich mir vorbehalte, später zu sprechen. 

Sie geben die Dimension der Zeit. Sprechen wir ein wenig über die Dimension des Raumes. Nebst der geistigen, moralischen und im engeren Sinn wirtschaftlichen Annäherung an das griechische Problem, kommen mir geopolitische Analysen in den Sinn, dass es für den heutigen griechisch-staatlichen Raum schwierig ist, autonom zu sein und zu florieren, aber auch psychologische Annäherungen, wie von Frau Ahrweiler, die sagt, dass wir das einzige Land unserer Nachbarn sind, die unsere Metropole, Konstantinopel, nicht befreit haben. D.h. unter den heutigen Tatsachen, werden unsere Haushaltspläne immer defizitär sein, unsere psychische Substanz unvollständig? Was ist ihre Meinung?

Das kritischste für Griechenland ist das Problem der gesellschaftlichen Konsistenzformen und Bildung. In Griechenland, wo das staatliche Dasein noch nicht bewusst geworden ist, wo wir noch nicht gelernt haben, mit dem Unbekannten zu leben, sind die Anzeichen der Eigenarten sehr stark und die Anzeichen der Konkurrenz und der bürgerlichen Widersprüche noch stärker. Wenn wir die „Wenns“ bei Seite lassen, von welchen wir nur träumen können, kann gesagt werden, dass die alte Zeitform, eine Form verbunden mit dem Raum war, darum hatten wir die nationalen Zeiten und die nationalen Räume. Nun, wie wir zu Beginn sagten, befinden wir uns in einem post-nationalen Stadium und erleben gleichzeitig enorme Geschwindigkeiten, die sich eben genau deshalb entwickeln, weil der Raum relativ wurde. Die Zeit wurde vom Raum befreit und die Schuldenkrise, welcher wir heute begegnen, beruht auf der Befreiung der Zeit vom Raum. Wenn sich die Zeit gänzlich befreit, könnten wir ernste Katastrophen erleben. Was ist die Anforderung an die Zeit, die sich im Galopp bewegt und gleichzeitig für die Menschen nützlich sein muss? Dass sie einen Raum erhält, und dieser Raum nennt sich „Regeln“. Darum sucht die Menschheit, von den grossen Börsen der Welt bis hin zu den kleinen Ländern wie Griechenland nach Regeln, d.h. idealisierte Formen, die die Kontrolle der grossen Geschwindigkeiten erlaubt. In Griechenland, wo wir keine Regeln kennen, werden wir enorme Probleme für eine lange Zeit haben. Wenn in Europa alles gut geht, werden auch wir uns bequemen. Die Frage ist die Entdeckung der Form, die die Rolle des galoppierenden Raumes spielen wird, eine Form, die die kreative Zeit bändigt – wir reden also von Regeln für ein geistiges Feld. 

Folglich stehen wir vor grossen Herausforderungen der Menschheit. Wenn wir diese Herausforderungen mit den Entdeckungen und Errungenschaften in Verbindung bringen, wie diese der Genforschung, verstehen wir, wie schnell die Zeiten kooperieren müssen, da wir auf der einen Seite nicht veraltete Formen der sozialen Bildung haben können und auf der anderen Seite DNA-Kontrollen auf einem so hohen Niveau, weil wir in diesem Fall sehr negative Ergebnisse haben werden, da sehr gefährliche Dinge in menschliche Hände – Völker - fallen werden, die kein breiteres Bewusstsein haben, als dasjenige ihres Daseins. 

Eine Frage zur Erziehung. Der junge Grieche und zukünftige Bürger muss ein Erziehungssystem haben, verbunden mit dem Arbeitsmarkt, ansonsten ihn das automatisch moralisch und geistig schwächt, ihn den Marktregeln unterwirft, ihn mechanisiert unter Entzug eines Teils seiner Freiheit und Phantasie?

Ich glaube nicht, dass die grossen amerikanischen Universitäten solche Ergebnisse aufweisen. Das Thema an den griechischen Universitäten ist, dass die Forschung gänzlich aufgegeben wurde. Jetzt werden Sie sagen, gab es sie, um aufgegeben zu werden? Nein, weil in Griechenland eine Kultur der Antworten herrscht und nicht eine Kultur der Fragen, etwas, was ein sehr negatives Klima für die Forschung schafft. Die Erziehung und das Leben müssen enge Beziehungen haben, solche, dass die Priorität der Erziehung in der Gesellschaft nicht zerstört wird. 

Jede Krise hat auch ihre positiven Seiten. Hat der griechische Staat in den letzten Jahren vielleicht die Griechen lahmgelegt und diese haben sich innerhalb der Grenzen bequemt? Ist diese Krise vielleicht eine gute Chance für unseren nationalen Auftrieb? Und wenn so etwas gilt, was muss der Grieche in seinem Gepäck mit sich tragen und wie muss die neue griechische Vision aussehen?

Die griechische Vision muss sein, dass wir endlich unser negatives Selbst aufgeben. Die grosse Chance, die uns in diesem Moment gegeben wird, liegt darin, dass genau das politische System eine grosse Verantwortung hat, aber auch die Gesellschaft nahm auf ihre Weise teil, es ist endlich eine einmalige Chance, die Probleme nicht auf Andere abzuwälzen, aber bei uns selbst zu beginnen, jeder bei sich selbst. Weil unsere Schwierigkeit als Bürger auf der Tatsache beruht, dass wir ein Schwaches Gefühl an Verantwortung haben, jedoch ein ausgeprägtes Gefühl der eigenen Interessen und Rechte. Es muss uns jedoch klar werden, dass wenn man keine Verpflichtungen hat, man sich wie ein Tier benimmt, jedoch wenn man keine Rechte hat, wird man wie ein Tier behandelt. Wir müssen an den Punkt angelangen, an welchem wir die Rechte mit den Verpflichtungen verbinden, d.h. dass wir korrekte Bürger werden. 

Welches muss die Beziehung Griechenlands mit dem Osten sein, mit dem entstehenden sog. arabischen Frühling, von welchem wir noch nicht wissen, wo er enden wird? Wie sieht der neue Dialog Griechentum – Osten aus?

In der globalisierten Wirklichkeit gibt es nur Zusammensetzungen und keine Auschlüsse. Was den arabischen Frühling angeht, wissen wir noch nicht, wo er endet. Derzeit bringt er nur Zurückhaltungen an die Oberfläche, ich sehe nicht, dass er etwas anderes bringt, was jedoch nicht auszuschliessen ist. 

Und was ist die Rolle Griechenlands in dieser neuen Welt?

Die Rolle Griechenlands muss die uralte Rolle des Brückenbauers zwischen dem mittleren Osten und Westen sein, und das muss sie wie ihren Augapfel hüten, aber es muss auch eine Ehre sein, das zu tun. Das grösste Problem der Griechen ist nicht einfach an Selbstvertrauen zu gewinnen, aber dass wir endlich wieder das verlorene Vertrauen der Anderen in uns erhalten.
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Dies ist ein Teil eines älteren Interview
s, welche im Intelligent Life Greece veröffentlicht wurde (http://www.intelligentlife.gr/FEATURES/STELIOS-RAMFOS.html)